Karl-Heinz Gimbel - Marburger Oberbürgermeister
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Die Marburger Oberbürgermeister

Die Stadtoberhäupter von Marburg
im 19.und 20. Jahrhundert

  • Eugen Siebecke (1945-1946)

    Eugen Siebecke war in der äußerst schwierigen Zeit nach dem Zusammenbruch 1945 für ein knappes Jahr Oberbürgermeister von Marburg. Aus dem Amt heraus wurde er Anfang 1946 von den Amerikanern verhaftet und zu einer Haftstrafe von 2 Jahren verurteilt worden. Aus der Haft entflohen, flüchtete er in die sowjetisch besetzte Zone (SBZ). Er kam 1949 nach Marburg zurück und kämpfte um seine Rehabilitierung. Später widmete er sich der Malerei. Er verstarb am 15. Oktober 1959.

    Zum Lebenslauf

    Eugen Siebecke wurde am 11. Juni 1891 in Rothenditmold bei Kassel als Sohn eines Kaufmanns geboren. Nach dem Schulbesuch in Frankenberg bestand er auf dem Lehrerseminar in Frankenberg die Lehrerprüfung. Anschließend nahm er eine Lehrerstelle in Erdhausen an. (Angaben aus Stadtarchiv Marburg, Personalakte Pa 828, Eugen Siebecke)

    Vermerkt ist, dass Siebecke den Lehrerberuf aufgab und in Düsseldorf Kommunalpolitik studierte und in Kassel zusätzlich die Kunstakademie besuchte. Seine erste Ehefrau, die er in Düsseldorf geheiratet hatte, verstarb 1922. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor.

    1928 ging Siebecke in Worms eine zweite Ehe ein mit insgesamt fünf Kindern. Er war in mehreren Verwaltungen tätig, u. a. in Biedenkopf und Dillenburg. Wegen seiner Mitgliedschaft in der SPD wurde er 1933 aus dem Dienst im Kreisjugend- und Wohlfahrtsamt im Biedenkopf entlassen. Für einige Zeit kam er 1933 in Haft. Während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft lebte Siebecke ab Oktober 1934 in Marburg (Bismarckstraße 11).

    1945 wurde Eugen Siebecke zum Oberbürgermeister von Marburg ernannt

    Begründungen dafür, dass die amerikanische Militärregierung in Marburg nur wenige Tage nach dem Einmarsch Siebecke zum kommissarischen Oberbürgermeister der Universitätsstadt einsetzten, sind nicht überliefert. Am 1. April 1945 erfolgte seine offizielle Ernennung durch die Amerikaner. Siebecke hatte jedoch offensichtlich aus früheren Jahren Verbindungen zu Amerikanern gehabt. Später rühmte sich Siebecke dieser Beziehungen. Zudem dürften ihm englische Sprachkenntnisse geholfen haben.

    In der Bewältigung der auf die Verwaltung einstürzenden Probleme, die in einer Vielzahl von Akten des Stadtarchivs Marburg nachzulesen sind, war Siebecke abhängig von den Anordnungen und Befehlen der amerikanischen Besatzung. Im Vordergrund der Verwaltungsarbeit standen die Versorgung der Bevölkerung, die Unterbringung der Flüchtlinge, die Bereitstellung von Wohnraum für die amerikanischen Truppen, die Beseitigung der Kriegsschäden und Aufbauarbeiten, die Entnazifizierung, eine Wiedergutmachung an den Juden und neben weiteren nicht aufschiebbaren Regelungen die Einleitung einer politischen Neuordnung.

    Erste Maßnahmen auf Wiederherstellung der Ordnung

    In den ersten Tagen nach dem Zusammenbruch waren viele städtische Betriebe verwaist. Dies hatten Diebe ausgenutzt und in unbewachten Gebäuden ungehemmt alles mitgehen lassen, was nicht niet- und nagelfest war. Dazu kamen Verwüstungen durch umher streunende Gruppen.

    So beklagte das Deutsche Rote Kreuz in einer Nachbetrachtung von 1955 ("50 Jahre Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Marburg"), dass sich in den Tagen nach Kriegsende jeder am Eigentum des DRK bereichert hätte: die Bestände der Kleiderkammer, in den Luftschutz-Einsatzstellen, in der Rettungsstelle verschwanden, sogar Krankenwagen und der Unfall-Hilfswagen wurden abtransportiert. Ebenso wären die Bestände an Verbandsmaterial, Medikamenten, ärztlichen Gerätschaften usw. verteilt worden.

    Die Amerikaner hatten für die festgesetzten deutschen Soldaten mehrere Lager eingerichtet. So wurden die Baracken im Feld vor Cappel - ehemals genutzt für die in Marburg im Krieg beschäftigten „Ausländer“ - etwas 3.000 Gefangene untergebracht. Weitere Barackenlager befanden sich auf dem ehemaligen Juxplatz hinter Weidenhausen.

    Um in das entstandene Chaos von deutscher Seite aus Ordnung hinein zu bringen, wurden einige Bürger aktiv. So schrieb Lehrer Mütze an den Oberbürgermeister, dass auf dem Schulhof der Nordschule Bänke, Tische, Stühle, Tafeln usw. stehen würden und Axthieben preisgegeben seien. An den Straßen wurden Aushänge angebracht, dass alle aufgefordert würden, für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Weiterhin sollten Pferdewagen wieder zugelassen werden, um die Müllabfuhr in Gang zu bringen.

    Gründung des „Staatspolitischen Ausschusses“

    Nicht von den Amerikanern berücksichtigt wurden für die Position des Oberbürgermeisters bekannte Nazigegner wie Hermann Bauer und andere. Diese fanden sich jedoch sehr bald in einer Gruppe zusammen, die sich „Staatspolitischer Ausschuss“ nannte. Eine ähnliche Eigeninitiative von demokratisch gesinnten Kräften ist aus anderen vergleichbaren Städten nicht überliefert.

    So bat Ludwig Mütze den von der Besatzungsmacht eingesetzten Oberbürgermeister Siebecke, die Arbeit des Ausschusses zu bestätigen. Der Ausschuss sei zusammengesetzt aus politisch unbedingt zuverlässigen Männern, sämtlich Gegner der Nationalsozialisten. Im Ausschuss tätig waren zumeist Vertreter von vor 1933 in Marburg aktiven Parteien. Der anfänglich von zwanzig „demokratischen und sozialistischen Männern und Frauen“ gebildete Ausschuss (mehrheitlich Kommunisten) musste sich auf Anordnung der Militär-Regierung auf fünf Personen reduzieren. Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen wurden 1945 von den Amerikanern nicht genehmigt.

    Den „Staatspolitischen Ausschuss“ bildeten: Gärtner Theo Abel, Druckereibesitzer Hermann Bauer, Lehrer Ludwig Mütze, Elektromonteur Ludwig Peter, Buchhändler Otto Roppel. Studiendirektor Robert Treut wurde Vorsitzender des Ausschusses. Hermann Bauer gab Oberbürgermeister Siebecke am 11. September 1945 bekannt, dass er wegen Arbeitsüberlastung aus dem Ausschuss zurücktrete. Bauer war von den Amerikanern die Herausgabe einer Zeitung genehmigt worden. Die „Marburger Presse“ erschien ab 15. September 1945, zunächst nur zweimal wöchentlich.

    Vertreter des Oberbürgermeisters wurde der Lehrer Ludwig Mütze. Für kulturelle Angelegenheiten war Schulrat Hans Schwedes und auf allen anderen Gebieten der Kommunalverwaltung war Bürgermeister a. d. Friedrich Dickmann vorgesehen, angestellt auf der Stelle des Stadtsyndikus´.

    Zusätzlich zu dem Ausschuss arbeitete in der Stadt noch eine „Sonderabteilung U“ aus Polizeikreisen. Mitlieder waren vorrangig junge Kommunisten. Im Konkurrenzkampf der beiden Gruppierungen siegte der Ausschuss. Im Juni 1945 wurde die Abteilung U aufgelöst.

    Aufrechterhaltung der Grundversorgung der Stadt

    Vorrangig war der Erhalt der Struktur der Stadt. Für die städtischen Betriebe musste der notwendige Brennstoff organisiert werden. Elektrizitätswerk und Gaswerk wie die anderen Betreibe mussten beliefert werden. Die Stromversorgung der Bevölkerung musste ebenso gewährleistet sein, wenn auch oft nur für Stunden, ebenso wie die Wiederaufnahme des Straßenbahnverkehrs.

    Oberbürgermeister Siebecke standen für die Verwaltung der Stadt in den einzelnen Ämtern und zusätzlich in den städtischen Betrieben Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk sowie Straßenbahn laut einem Monatsbericht von 1946 insgesamt nur 24 Beamte, 277 Angestellte, 18 Lehrlinge und 2 Anwärter zur Verfügung. Die Amerikaner hatten umgehend nach Kriegsende 75 % der städtischen Beamten entlassen - so berichtet in Marburg stationiert gewesene amerikanische Offizier John Gimbel in seiner Dokumentation der Situation in Marburg nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen (John Gimbel, Eine deutsche Stadt unter amerikanischer Besatzung, Berlin, Köln 1964).

    Schwierige Entnazifizierung

    Neben der Regelung der Not musste die Verwaltung der Stadt den Anordnungen der Amerikaner folgen, die Naziführer und „Nazischreihälse“ aus den Betrieben zu entfernen. Baracken am Krekel wurden zum Inhaftierungslager der Marburger Nazi-Führer. Etwa 400 bis 500 Marburger Nazis waren zu Aufräumarbeiten eingeteilt worden und mussten meist ungewohnte körperliche Arbeiten verrichten. Aber schon Monate später wurde bemängelt, dass sich viele dieser Nazis aus der Arbeit entfernt hätten mit Bescheinigungen von Krankheit und anderen Gebrechen.

    Sowohl an den Oberbürgermeister als auch an den Staatspolitischen Ausschuss wurde - so weisen es die Akten im Stadtarchiv aus - eine Vielzahl von anonymen oder auch mit Unterschrift versehenen Schreiben gerichtet. Diese wiesen immer wieder auf „nicht hinnehmbare“ Weiterbeschäftigung von angeblich verbohrten Nazis und fanatischen Kämpfern der NSDAP hin. Deren Entlassung und Beschäftigung mit Aufräumarbeiten wurde gefordert.

    So schrieb Mütze am 19. Mai 1945 an die Militär-Regierung, dass durch Verwaltungsanordnungen „geschworene Gegner des Nazismus und charakterlich hochstehende Männer zur Entlassung gekommen sind, ausgesprochene Anhänger des Hitlerismus und charakterliche Wetterfahnen sind dagegen im Amt verblieben“. Es drängten sich wieder Männer in den Vordergrund, „die ausgesprochene Günstlinge der Nazipartei waren und in den Jahren der Parteiherrschaft große Gewinne einheimsen konnten“. Vor allem die Rolle, die Siebecke bei diesen Anordnungen spielt, wird mehrfach angegriffen. Wenig später heißt es in einem Schreiben an Siebecke weiter: „werden Nazis noch immer von Ihnen gedeckt“. An den Oberbürgermeister sandte der Ausschuss eine Liste mit Nazis, die noch immer in ihren Positionen arbeiteten „wie früher“. Mütze selbst stellt ein Anforderungsprofil auf für die Beurteilung von ehemaligen Pg.

    Bereitstellung von Wohnraum für die Amerikaner

    Die Militär-Regierung ließ nach einer Liste von Pg. und SA-Führern der Stadt deren Häuser und Wohnungen von den Nazi-Familien räumen. Insgesamt waren für 3.000 amerikanische Besatzungssoldaten und 2.300 Zivilpersonen (auch Familienangehörige) Wohnraum zu beschaffen, zuerst vorrangig in den Kasernen der Stadt.

    Die amerikanischen Offiziere mit Familien rekrutieren Häuser, vorrangig Villen in der Stadt. Die Liste lautete lauf 7 Siebenzimmerhäusern, 55 Fünfzimmerhäuser, 375 Dreizimmerwohnungen, dazu eine Schule, ein Theater (Stadtsäle) sowie ein Gebäude für den Offiziersclub.

    Bei der Beschlagnahme von Nazi-Häusern kam es manchmal dazu, dass auch angrenzende Häuser und Wohnungen beschlagnahmt wurden, wenn eine größere Anzahl von Räumen benötigt wurde. Deshalb trafen Häuserbeschlagnahmungen manchmal auch Nicht-Pg. Diese Härten führten zu Beschwerden, die mehrfach vom Staatspolitischen Ausschuss aufgenommen wurden.

    Die Bevölkerung wurde durch Anschläge informiert, Zeitungen waren verboten. So kursierten Gerüchte, dass sogar General Eisenhower in Marburg eine Nacht verbracht haben soll in der von Professor Uffenorde beschlagnahmten Villa am Spiegelslustweg 24. Diese Villa war später angeblich das letzte beschlagnahmte Gebäude Marburgs, das erst fast zehn Jahre nach Kriegsende der Witwe des Besitzers zurückgegeben wurde.

    Bereitstellung von Wohnraum für Flüchtlinge

    Die Stadt Marburg hatte in kürzester Zeit eine Vielzahl von Flüchtlingen aufnehmen müssen. Die Einwohnerzahl war dadurch von 28.000 auf etwa 50.000 gestiegen. Die Bedingungen waren katastrophal. Die Zuweisung in bestehende Wohnungen führte mehrfach zu Protesten. Auch hier sollten vor allem Häuser und Wohnungen von führenden Nazis den Notleidenden zur Verfügung gestellt werden. So enthält eine Liste von Oberbürgermeister Siebecke Wohnungsadressen in „Elisabethstraße 15, Steinweg 30, Wörthstraße 20, Moltkestraße 11, Deutschhausstraße 28 und 42, Frankfurter Straße 42, Bunsenstraße 2 und 9“. Zudem wurden Flüchtlingsfamilien zwangsweise in einzelne Zimmer in Wohnungen einquartiert.

    Aus dem Staatspolitischen Ausschuss ging an die Militärverwaltung die Anregung, aus Gründen der Stadtplanung und Verbesserungen im Angebot von Wohnraum die sog. „Hausdörfer“ Marbach, Wehrda, Cappel und Gisselberg nach Marburg einzugemeinden, wozu es allerdings nicht kam.

    Notlage bei der Grundversorgung

    Die Ausgabe der rationierten Lebensmittel durch die Verwaltung wurde schnell zu einem Problem. Immer wieder kam es zu Kürzungen bei den Lebensmittelrationen. Unterstützung der Stadtverwaltung mit dem Wohlfahrtsamt leisteten karitative Einrichtungen wie „Christliche Nothilfe“ oder die Arbeiterwohlfahrt. Später brachten Care-Pakete, die in Schulen und in den Kirchen verteilt wurden, etwas Linderung.

    Das Elend der Zeit konnte jedoch damit nicht behoben, allenfalls gemildert werden. Betteln war an der Tagesordnung. Viele der Marburger Bürger, die kaum etwas zu essen hatten, sahen mit Neid auf die Rationen der Besatzungssoldaten. Vor allem die Küche der Amerikaner, die im Untergeschoss der Stadtsäle eingerichtet war, verströmte Gerüche, in deren Genuss die Deutschen nicht kommen konnten.

    Auf den Straßen wurden nicht nur von Kindern die Zigarettenkippen aufgesammelt, die von den Soldaten weggeworfen wurden. Zigaretten wurden später zur Währung. Der Schwarzhandel blühte schon bald.

    Um an Milch beispielsweise für die Kinder zu kommen, marschierten viele in die umliegenden Dörfer. Wer genug Tauschobjekte hatte, erhielt von den Bauern Lebensmittel. Doch gruben sich auch dabei negative Erlebnisse bei vielen ein. So wurden in Gisselberg Flüchtlingen, die im Ort untergebracht waren, beim ortsansässigen Bauern gesagt: „Flüchtlinge bekommen bei uns nichts!“ So musste der Vater, um Milch für seine Kinder zu bekommen, ins Nachbardorf laufen, um dann glücklich mit einer halben Kanne Milch zurückzukehren.

    Nicht bei allen war Solidarität groß geschrieben. Jeder musste sehen, wie er zurechtkam. Außer den Bauern lebten lange Zeit alle in großer Not. Die Verhältnisse waren - so erlebte es die Bevölkerung - versorgungsmäßig schlechter als zu Kriegszeiten. Zu Lasten der besetzten Gebiete war das Deutsche Reich im Krieg lange Zeit relativ gleichmäßig versorgt worden trotz Knappheit bei Lebensunterhalt und Ernährung.

    So machten 1945 und auch noch später Sprüche wie folgt bei den Deutschen die Runde (zitiert von John Gimbel):

    Gott schenke uns das fünfte Reich,
    das vierte ist dem dritten gleich.

    Oder

    Bei diesem Frieren und diesem Fressen
    können wir Hitler nicht vergessen.

    Straßenumbenennungen

    Noch 1945 wurden den von der NSDAP ab 1933 umbenannten Straßen und weiteren Straßennamen, welche teils schon vor 1900 bestimmt worden waren, denen man jedoch revanchistisches Gedenken unterstellte, neue, aber auch zum Teil alte Bezeichnungen gegeben.

    Admiral-Scheer-Straße - Pestalozzistraße
    Adolf-Hitler-Platz - Friedrichsplatz
    Bernhard-Rust-Straße - Uferstraße
    Straße der SA - Biegenstraße
    Danziger Straße - August-Bebel-Straße
    Elsässer Straße - Hans-Sachs-Straße
    Ferdinand-Fenner-Straße - Ubbelohdestraße
    Heinrich-Abel-Straße - Schillerstraße
    Egerländer Straße - Fichtestraße
    Herbert-Norkus-Straße - Goethestraße
    Hermann-Göring-Straße - Gutenbergstraße
    Hindenburgring - Krummbogen
    Horst-Wessel-Straße - Brüder-Grimm-Straße
    Kolmarstraße - Lessingstraße
    Langemarckstraße - Heinrich-Heine-Straße
    Lothringerstraße - Dürerstraße
    Metzerstraße - Uhlandstraße
    Moltkestraße - Stresemannstraße
    Ludendorffstraße - Lessingstraße
    Orleanstraße - Friedrich-Naumann-Straße
    Otto-Böckler-Straße - Schulstraße
    von Richthofen Straße - Bantzer Straße
    Sedan Straße - Radestraße
    Weißenburger Straße - Schückingstraße
    Wörthstraße - Liebigstraße

    Differenzen zwischen Ausschuss und Oberbürgermeister

    Ende 1945 kam es zu großen Differenzen zwischen dem Ausschuss und dem Oberbürgermeister. Während bei der Militärregierung bei den leitenden Offizieren mehrmals ein Wechsel eintrat, hatte sich Siebecke offensichtlich in eine Position gebracht, die er offensiv vertreten hatte. Dies wurde von einigen als arrogant angesehen.

    So hatte der Ausschuss - der Ausschuss war zu dieser Zeit bereits offizielle zurückgetreten, arbeitete aber offenbar weiter - den Oberbürgermeister darüber informiert, dass in der Verwaltung eingesetzte Bürgermeister A. D. Dickmann eine Verfügung zugunsten seines Bruders erlassen hatte. Entgegen des bestehenden Zuzugsverbots nach Marburg sollte der Bruder von Dickmann die Praxis eines entnazifizierten Marburger Zahnarztes übernehmen können.

    Dickmann, von Siebecke über dieses Schreiben in Kenntnis gesetzt, konterte scharf. Er formulierte, dass der „inzwischen aufgelöste Ausschuss … in den berechtigten Verdacht gekommen ist, der Unsachlichkeit und dem Querulantentum Vorschub geleistet zu haben“. Er schließt sein Schreiben mit den Worten:

    „In einem derartigen Fall gibt es nur eine Verständigung auf sachlicher Basis oder Kampf bis aufs Messer. Ich bin zu beidem bereit.“ Auch aus diesen Worten kann man erkennen, dass sich die Männer der ersten Stunde teils mit harten Bandagen bekämpften.


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